Die Sache mit der Protestwahl

Protestwahl. Das Ziel ist, in einer wichtigen Wahl seine Stimme einer vermeintlich „unwichtigen“ Partei zu geben, um damit der aktuellen Regierung einen Denkzettel zu verpassen.  Eine Art ziviler Zusammenschluss und Protestbewegung, die jeder für sich im Stillen und dennoch zusammen mit allen als Aufschrei tätigen kann. Protest ist gut! Zeigt es „denen“.  Und macht man mit einer Protestwahl auch nichts falsch. Wie wäre es denn mit der AfD? Das wäre doch super, wenn #DankeMerkel viele Prozente an die AfD abgeben müsste.

Protestwahl vs. „Stimme für den Gully“

So eingängig das System der Protestwahl ist, so widersprüchlich kam mir in meiner Zeit in der Piratenpartei von Menschen in meinem Umfeld zu Ohren, dass mein Engagement „schön und gut“ sei, ich jedoch bei der Wahl vielleicht lieber meine Stimme nicht „verschwenden“ solle. Schon Herr Westerwelle (†) stellte klar: Eine „Stimme für den Gully“:

Gut, nun waren diese Worte aus seiner Sicht etwas anderes, als von Menschen in meiner Umgebung. Der Grundgedanke bleibt aber gleich:

► Wahl irgendeiner Kleinstpartei aus Protest: Gut!
► Wahl einer Kleinstpartei aus Überzeugung und Engagement: Gully!

Damit zurück zu meinem Eingangsgedanken. In einer Facebook-Diskussion um die AfD und deren Wählbarkeit wurde hervorgebracht, dass man AfD-Wähler mitnichten pauschal als „Rechts“ betiteln könne, da vielen eben die AfD nur aus Protest wählen.

Ich komme nun zum Schluss: Das ist großer Bullshit!

  1. Die AfD ist keine Kleinpartei mehr. Sie hat Mehrheiten hinter sich und dies ist kein Geheimnis. Wer AfD wählt, beauftragt die neue Rechte aus einer Mehrheit heraus. Jemand der von sich behauptet „nicht rechts“ zu sein und die AfD wählt, ist unglaubwürdig.
  2. Eine Wahl ist ein Auftrag! Eine Wahl ist nicht die Abwesenheit der Zustimmung für andere Parteien. Im Gegenteil ist die Wahl der Auftrag an die gewählte Partei. Niemand kann sich später aus der Verantwortung ziehen indem man den Protestwahl-Joker zieht. An diese Menschen richte ich mein Wort: „Im Endeffekt ist es auch egal. Auf jeden Fall hast DU die AfD gewählt und DU hast den Auftrag erteilt. Herzlichen Glückwunsch: Es spielt keine Rolle (mehr) ob du Links oder Rechts bist – du hast Rechts beauftragt“.
  3. Der größte „Protest“ ist doch eigentlich: Immer aus Überzeugung wählen! Taktisches Wählen ist Unsinn. Es ist eine Empfehlung der Elite, um ihre eigene Macht zu sichern, egal woher es kommt. Wenn dir jemand sagt, dass du deine Stimme „verlierst“, wenn du die Partei aus der politischen Überzeugung heraus wählst, machst du alles richtig. Denn erst wenn jeder so denkt wie du, gibt es klare Wahlergebnisse!

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