Nachricht an Moritz

Hallo Moritz,

ich weiß nicht wo du politisch stehst und es ist mir auch egal. Ich bin offen und verfalle keiner Hysterie und pflege gerne politische Diskussionen oder Streitgespräche. Doch dieses Mal, ist es was anderes – was persönliches. Es geht um deinen Like bei der AfD.

Im aktuellen Programmentwurf sollen psychisch Kranken Rechte genommen und sie im schlimmsten Fall in Einrichtungen überführt werden. Es geht konkret um den Punk „3.4 Opferschutz statt Täterschutz“ im Kapitel „3 | Innere Sicherheit und Justiz“. Dort heißt es:

„Nicht therapierbare alkohol- und drogenabhängige sowie psychisch kranke Täter, von denen erhebliche Gefahren für die Allgemeinheit ausgehen, sind nicht in psychiatrischen Krankenhäusern, sondern in der Sicherungsverwahrung unterzubringen“
(Quelle)

Dazu ist es wichtig zu wissen, dass ich derzeit an einer psychischen Krankheit leide, welche – stand jetzt – keine oder unklare Chance auf einen Therapieerfolg hat. Sollte ich also strafrechtlich in Erscheinung treten, könnte ich in dieses Raster fallen – auch weil wichtige Definitionen fehlen (z.B. zu „Täter“ und „Gefahr“). Aber der größte Knackpunkt ist das Wort „Sicherungsverwahrung“. Hierzu Gedanken von David Schraven von correctiv.org, der zum diesem Schluss kommt:

„Was verbirgt sich hinter dem Wort Sicherheitsverwahrung?
[…]
Bisher werden Menschen in Sicherungsverwahrung in regulären Justizvollzugsanstalten untergebracht, in Gefängnissen. Kranke werden dort nicht eingeschlossen, weil es für sie dort keine Betreuung gibt. In den Gefängnissen sind nur verurteilte Straftäter.
In geschlossene Psychiatrien sollen die Kranken aber nach dem Willen der AfD auch nicht kommen. Wohin dann? Folgt man der Logik der rechtspopulistischen Partei, müssen neue Einrichtungen geschaffen werden.
[…]
Die Nationalsozialisten hatten gerade in der Anfangsphase ihrer Herrschaft neben den Gefängnissen und anderen staatlichen Haftanstalten weitere Einrichtungen geschaffen, in denen sie unter anderem „Asoziale“ und Andersdenkende inhaftierten.
Als „Asoziale“ galten damals unter anderem nicht therapierbare alkohol- und drogenabhängige sowie psychisch kranke Menschen.
Diese Einrichtungen nannten die Nationalsozialisten „Lager“.“
(Ganzer Beitrag)

Ich teile diese Gedanken grundlegend. Wie bereits gesagt falle ich sehr leicht in das Raster. Noch immer ist es für die Gesellschaft sehr schwer, offen mit psychischen Krankheiten umzugehen. Es wird ein leichtes sein, dies zu brandmarken. Aufgrund dieser geschürten Ängste gegenüber der Gruppe psychisch Kranker und damit auch gegen meine Person, möchte ich die Nähe zur AfD abstecken. Ich möchte verstehen, was meine Bekannten darüber denken.

Lieber Moritz!
Ich möchte dich nicht aus meiner Freundesliste kicken und du sollst dich nicht verpflichtet fühlen, dich zu rechtfertigen. Ich schätze dich nach wie vor als Person und freue mich mit dir verbunden zu sein. Ich lasse dir meine Gedanken zukommen, in der Hoffnung, dass du dir deiner bewusst wirst.

Viele Grüße,
Martin

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